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Sigmund Jähn

FLIEGERKOSMONAUT DER DDR SIGMUND JÄHN

Auszug aus einem Brief

Zwezdny Gorodok, den 18.10.2001

…Ich habe zu tiefe und zu nachhaltige Erinnerungen an diese Episode in meinem Leben, an den mit seinem Schiff eng verbundenen Kapitän Hanning Zeplien, den vogtländischen ersten Chief, an viele Mitglieder der Besatzung und überhaupt an alles, was mit dieser Geschichte verbunden ist.

Die, wie sie schreiben, lustige Begebenheit mit dem falschen Eingang und der einseitigen Bemalung wären so ziemlich das Unwesentlichste, woran ich mich in dieser Richtung zu erinnern hätte.

Als ich 1978 nach meinem Raumflug von der geplanten Namensnennung hörte, war mir das in erster Linie peinlich. Ich konnte mir gut vorstellen, was die Werftarbeiter und die Seeleute zu dieser ungewöhnlichen Entscheidung sagen würden. Auf der anderen Seite war mir klar, dass jemand aus der Ecke der Propaganda auf die Idee mit dem „Fliegerkosmonauten“ gekommen war. Der Name Jähn war ja eindeutig (wenigstens vor dem Raumflug) beliebig austauschbar.

Was die großen Begrüßungen und Empfänge betrifft, so habe ich mir die angeborene Vorsicht dagegen zum Glück bewahren können. Ich weiß aber nicht mehr genau, was mich damals in Rostock bewog, den Hintereingang zu nehmen. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich das bewusste Schiff ausgemacht und steuerte einfach auf dem ersten besten Weg darauf zu.

Ich will Sie nicht mit Einzelheiten langweilen. Später war ich mehrmals auf dem Schiff. Sogar mit meinem Kollektiv. Wir wurden immer außerordentlich gastfreundlich empfangen und schliefen auch im Hafen. Im Austausch konnte ich einige Schiffsoffiziere auch einmal in meinem Heimatdorf im Vogtland empfangen. Die Besatzung hatte ja mit mir nicht gerade das große Los gezogen. Halberstädter Würstchen und andere Aufmerksamkeiten konnten wir nicht bieten. Hanning Zeplien, der Kapitän hat es mir trotzdem leicht gemacht. Wir waren beide eine Generation; als junge Leute in und mit der DDR aufgewachsen. Die Nachkriegszeit und der Wille, etwas aus uns zu machen, hatten uns geprägt. Hanning war seinerzeit der jüngste Kapitän der Seereederei. Ich glaube, er hat später dieses neue Schiff geliebt. In der Umbruchsituation von 1990 ist er leider von einer gemeinsamen Kahnfahrt zum Fischen mit einem Kameraden nicht zurückgekehrt.

Und ich hatte die große Fahrt, zu der mich der Kapitän mehrmals eingeladen hatte, aus Zeitgründen immer wieder verschoben. Ich erinnere mich, dass das Schiff viele Jahre auf der Westafrika-Route eingesetzt war.

Ach so, die Geschichte mit der Bemalung. Wer weiß, ob nicht einer von der Reederei gesagt hatte, der Jähn will bestimmt seinen Namen am Schiff sehen, wenn ihr ihn schon zum Bordfest eingeladen habt. Vielleicht dachte wirklich jemand, ich könnte nicht begreifen, dass im Dock ein Schiff nach einer bestimmten Technologie bemalt wird. Wie dem auch sei. Hanning hat sich mit mir und dem Schiffsnamen fotografieren lassen. Und auf dieses Foto, schon etwas verblichen, bin ich heute, wo „mein“ Kapitän sein Leben gelassen hat, es das Schiff nicht mehr gibt und ich alt geworden bin, fast ein wenig stolz. Sollte ich noch zehn Jahre mitmachen, kann es passieren, dass ich meinem jüngsten Enkel erzähle, dass es einmal ein Schiff mit dem Namen seines Großvaters gab; damals, in der DDR.

Vom Kapitän weiß ich übrigens, dass der Name „Fliegerkosmonaut der …“ viel zu lang war. In Hamburg, sagte er mir einmal, hätte man ihn kritisiert, weil sich sein Schiffsname in kein Register ordentlich eintragen ließe.

Wie gesagt, leider habe ich keine Fahrt auf dem Schiff mitgemacht. Ich hätte früher wissen müssen, dass die Zeit so schnell vergeht. Und doch war ich auf einem Schiff der Deutschen Seereederei in Indien. Diese Geschichte hat sich auch in meiner Erinnerung festgesetzt. Man lebt eben nicht vom Brot allein. Ich durfte Mitte der 80er Jahre an einem Raumfahrtkongress in Bangalore, Indien teilnehmen. Auf dem Rückflug hatten wir in Bombay einige Stunden Aufenthalt. Am Flughafen empfing uns der Konsul der DDR und bemerkte, dass zufällig ein Schiff von uns im Hafen läge (Leider bin ich mir mit dem Namen nicht sicher und will nichts Falsches aufschreiben. Anm. der Red.: MS FREYBURG unter Kapitän Karl-Heinz Timmel). Jedenfalls bat mich der Konsul, der Besatzung etwas vom Kongress und überhaupt zu erzählen.

Natürlich war ich einverstanden. Und der Koch hatte sogar Brot an Bord, das nach zu Hause schmeckte.

DSR-Seeleute e.V. auf der Hanse-Sail 2019

vom 08.08.-11.08.2019 fand die Hanse-Sail in Rostock statt. Auch der DSR Seeleute e.V. war bei der 29. Auflage der traditionellen Veranstaltung dabei. Für dieses Jahr hatte Lothar viel Arbeit in eine neue Attraktion für die Besucher unseres Standes investiert - ein nicht ganz ernst zu nehmendes seemännisches Quiz. Diese Idee erwies sich als besonderer Anziehungspunkt , der unserem Pavillion zahlreiche Besucher bescherte - konnte man doch ohne Risiko einen Preis gewinnen.

Am Donnerstag galt es erst einmal, den planmäßig instandgesetzten Pavillion aufzubauen. Dank Rainer Hübner, der bereits im Juni den Transport von Reinsberg nach Rostock übernahm, war das Zelt pünktlich zu Stelle.

Nach wenigen Stunden war der Stand komplett aufgebaut und eingerichtet. Die an 4 Tagen zahlreichen Besucher konnten Vereins-Artikel (z.B. Flaggen, T-Shirts, Aufkleber) erwerben. Viele Besucher steuerten den Stand zielgerichtet an, um die diesjährige Auflage der BORDGESCHICHTEN (Band XVII) zu erwerben. Auch ältere Bände waren teilweise noch erhältlich. Der Andrang war so groß daß unser Geschäftsführer Hans-Joachim am Samstag noch eine zusätzliche Kiste Bücher mit nach Rostock bringen mußte.

Vielen Dank allen fleißigen Helfern (Hubert, Brigitte, Bärbel, Winfried) und vor allem Conny und Lothar für die gute Organisation im Vorfeld und während der Hanse Sail

gegen 14:00 Uhr war der Stand des DSR Seeleute e.V. komplett eingerichtet
besondere Attraktion: das Quiz des DSR Seeleute e.V. war ständig umlagert


DSR-Seeleute,  Montag, 30. September 2019